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Dienstag, 7. September 2010

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Cellulite
Orangenhaut - Eine Krankheit, die keine ist
Cellulite – Schon in der Endung des Wortes verbirgt sich eine beruhigende Botschaft, signalisiert doch das „e“ anders als es das fälschlicherweise oft so dahergesagte „is“ (cellulitis), dass es sich eben nicht um eine Erkrankung handelt.
Nicht wegdiskutieren lässt sich allerdings auch, dass sie ca. 80 % der Frauen über 30 Jahre in Deutschland seelisch teilweise erheblich belastet und veranlasst, viel Geld und Energie in verschiedenste Behandlungsverfahren zu investieren.
Über Ursachen, Symptome, Behandlungsmöglichkeiten und deren Grenzen soll dieser Bericht ein wenig aufklären.
 
Cellulite - Bindegewebsschwäche
Cellulite ist die Bezeichnung für eine - typisch weibliche - nicht-entzündliche Schwächung der kollagenen und elastischen Fasern des subkutanen Bindegewebes. Oft spricht man deshalb kurz von Bindegewebsschwäche.
Sie ist zunächst ein rein kosmetisches - an Oberarmen, Bauch, Oberschenkeln, Gesäß und Hüften beobachtbares - Problem, kann aber durchaus seelische Beeinträchtigungen nach sich ziehen.
Typisch ist eine genoppte oder trichterförmige Struktur der Haut von Vorwölbungen und Dellen, die der Volksmund sehr treffend - je nach Aussehen der Hautoberfläche – als Orangen- oder Matratzenhaut bezeichnet.

 
Begriffsabgrenzung
Synonyme: Orangenhaut, Matratzenhaut, Zellulite oder fachsprachlicher Dermopanniculosis deformans, Status protrusus cutis.
Unbedingt abzugrenzen ist der Begriff "Cellulite" vom im Englischen verwendeten und auch eingedeutschten Begriff "Cellulitis". Diese gibt es also auch. Aber sie bezeichnet eine bakterielle Infektion von Unterhaut und Unterhautfettgewebe und gilt als schwere Krankheit.
Mit einer Cellulite-Diagnose ist man also vergleichsweise „gut dran“.

 
Cellulite: Ursache und Entstehung
Es gibt eine Reihe von grundlegenden und begünstigenden Faktoren, die bei Entstehung und Ausmaß der Cellulite eine ursächliche oder begünstigende Rolle spielen.

In alphabetischer Reihenfolge die wohl häufigsten „Schuldigen und Mitschuldigen“:
  • Alkohol
  • Alter
  • Antibabypille
  • Belastungen und Dehnungen der Haut (wie in der Schwangerschaft)
  • Bewegungsarmut
  • genetischen Veranlagung
  • Geschlecht
  • Hormone
  • Krampfadern
  • Lymph- und Venenstauungen
  • Nikotin
  • Stress
  • Übergewicht

Wie kommt es nun zu dem oft als lästig empfundenen Phänomen? Die Haut setzt sich aus drei Schichten zusammen:
  • Oberhaut (Epidermis),
  • Lederhaut (Dermis) und
  • Unterhaut (Subkutis).

Das Problem entsteht nun in der weiblichen Unterhaut.
Durch genetische Veranlagung sind die hier vorhandenen Fettzellen (Lipozyten) größer und dehnbarer als die von Männern. Zudem sind feminine Fettkammern nicht so stabil durch Kreuz- und Querverbindungen im Gewebe vernetzt. 
Fettablagerungen in der weiblichen Subkutis können nun die ohnehin großen Zellen quasi zum Quellen bringen, bis sie zusammenklumpen, letztlich nicht mehr im Unterhautgewebe gehalten werden können und an die Oberfläche der Haut drängen, wo sie die ungeliebten Dellen entstehen lassen.

Gleichzeitig beginnt nun ein Teufelskreis, da durch den Überdruck der Blut- und Lymphabfluss gehemmt wird. Als Folge wird Wasser in das umliegende Gewebe abgepresst. Diese Ansammlung der Gewebsflüssigkeit lässt die Haut noch zusätzlich anschwellen.
Die eingeschränkte Blutzufuhr führt nun insgesamt zu einer Verlangsamung des Stoffwechsels (Mangel an Nährstoffzufuhr und Giftabtransport) was eine Normalisierung der zellulären Funktionen noch einmal beeinträchtigt.

Vor diesem Hintergrund erklärt sich, dass Übergewicht die Entstehung großer Fettzellen und damit auch die Ausbildung einer Cellulite begünstigt. Wie sehr aber die genetisch bedingte Veranlagung zu schwachem Bindegewebe eine ursächliche Rolle spielt, erkennt man daran, dass auch schlanke, sogar sportliche Frauen unter dieser Erscheinung leiden können.

Cellulite tritt auch unabhängig vom Alter auf. Da auch Hormone eine Rolle bei der Ausprägung der Cellulite spielen, rücken Lebensphasen  wie Wechseljahre, Schwangerschaft oder Pubertät als kritische Phasen in den Blickpunkt.

 
Ausprägung
Eine Beurteilung des Hautreliefs an Po und Oberschenkeln und ergibt laut Fachliteratur drei Schweregrade:

Stadium I:        
glatte Haut im Liegen und Stehen; Orangenhaut nur durch Kneifen auslösbar

Stadium II:        
glatte Haut im Liegen; 
Matratzenhaut im Stehen

Stadium III:        
Dauerhaft sichtbare Dellen und Wölbungen im Liegen und Stehen

 
Behandlungsmethoden/ Therapie
Vorbeugen - Sport und gesunde Ernährung
Wer um die gerade beschriebenen Vorgänge weiß, wird zwingend folgern, dass Vorbeugung besser als „Heilen“ ist. Prophylaxe beginnt also idealerweise im Kindesalter. Viel Bewegung, gesunde Ernährung und kein Übergewicht wären die Größen, auf die man in Elternhaus, Kindergarten und Schule Einfluss nehmen kann.
Da sich geschlechtsspezifische und genetische Veranlagungen nicht ändern lassen, ist dies der wichtigste Ansatzpunkt.


Gezielt behandeln – Abnehmen und Straffen
Ist es erst einmal zu Cellulite gekommen, kann sich ein schlüssiges Behandlungskonzept hauptsächlich die Kräftigung und Straffung des Bindegewebes bei gleichzeitiger Reduktion der Fettmassen zum Ziel setzen.

Parallel gilt es, die Stoffwechsel-Zirkulation zu verbessern und Stauungen zu beseitigen.

Je größer ein Problem, desto vielfältiger die Methoden, Verfahren und Präparate, die der Markt anbietet.

Gezielt behandelt wird oft nur die Hautoberfläche auf  deren Erscheinungsbild es den Betroffenen ankommt, aber auch die wichtigen tieferen Hautschichten werden ins Visier genommen.
Insgesamt ist Vorsicht geboten. Versprochen wird viel, als bewiesen gilt bei weitem nicht alles. So sollte eine gründliche Information am Anfang jeder Maßnahme stehen. Vor allem gilt es, das Mögliche realistisch ins Auge zu fassen.

 
Verbesserung des Hautreliefs
Bäder -  Körperöle
Bäder – z.B. aus Meeressalz- und Algen - können das Lösen von Schlacken begünstigen und die Durchblutung aktivieren. Begleitend kann die Haut durch Einmassieren ausgewählter Öle in die noch feuchte Haut unterstützt werden. Rosmarin etwa fördert die Durchblutung und Entschlackung der oberen Hautschicht.

Bürsten
Das Bürsten der Haut führt zum mechanischen Abrieb alter Hautschichten. Durch den Massageeffekt werden Mikrozirkulation und Durchblutung gesteigert, sowie die Erneuerung des Gewebes gefördert..

Cremes – Salben - Gelee
Das Kapitel äußerer Wirkstoffe wird als problematisch eingestuft, da die Wirksamkeit auf tiefere Hautschichten samt der problematischen Fettzellen nicht erfolgt oder nachweisbar ist. Kurzfristige kosmetische Erfolge können aber durchaus erzielt werden und sind vielleicht manchmal auch gewünscht, bis man dem Problem grundlegend zu Leibe gerückt ist.

Die eingesetzten Substanzen haben in erster Linie eine entschlackende und straffende Wirkung in den oberen Hautschichten und wollen bei regelmäßiger Anwendung ein feineres Hautbild erzielen.

Peeling
Peelings haben ebenfalls keinen Einfluss auf die Problem-Fettzellen.  Sie arbeiten mit organischen Säuren - wie z.B. Fruchtsäure oder Salizylsäure - und tragen die obere Hautschicht ab, die dadurch zur Erneuerung und Verbesserung und Förderung der Durchblutung gereizt wird.


 
Ansatzpunkt Stoffwechsel
Anti-Cellulite-Strumpfhosen - Kompressionsstrumpfhosen
Durch das regelmäßige Tragen einer Kompressionsstrumpfhose soll das Problem der Wasserspeicherung der Fettzellen gelöst werden.
Relativ neu auf dem Markt sind mit Theophyllin-Acetat getränkte Strumpfhosen an. Die Wirksamkeit schätzen Experten zurzeit als zumindest umstritten ein.

„Bodyslimming und Silhouettenlifting“
Hinter diesen werbeträchtigen, modernen Begriffen verbirgt sich eine Kombination verschiedener Maßnahmen. Nach einer Bürstenmassage wird ein Wickel aus Algen und aufbereitetem Moor aufgetragen.  Das Verfahren versucht, natürliche Hautfunktionen anzuregen und Wirkstoffe tiefer in die Haut zu transportieren. Später – durch diese Vorbereitung begünstigt - soll das Gewebe durch eine Saug- und Vakuummassage besser entschlackt, entstaut und angeregt werden können. Eine Abschlusspflege der Haut und das Reichen von Entschlackungstee gehören abrundend mit zur Behandlung.


Hülle – Wickel - Packung
Der Körper oder spezielle Teile werden in mit Wirkstoffen durchtränkte Binden gehüllt.  Cremes, Kräuterextrakte und verschiedene Lotionen sollen in Verbindung mit dem Kompressionseffekt ihre segensreiche Wirkung entfalten. Eine ursächliche Wirkung auf die Fettzellen lässt sich jedoch nicht beobachten. Zwar zeigt sich eine kurzfristige Abnahme der Körperfülle, aber diese resultiert lediglich aus dem vorübergehenden Flüssigkeitsverlust.


Lymphdrainage
Diese spezielle Massageform zielt nicht auf eine Beseitigung der Fettanreicherungen. Durch bestimmte Techniken entlang der Lymph- und Venengefäße kann jedoch die Zirkulation (Abfluss und Eigenaktivität) verbessert werden. 

Massage
Auch die Massage steigert Zirkulation und Lymphabfluss. Das Gewebe wird entspannt, die Durchblutung angeregt und für eine Entfernung überschüssiger Flüssigkeit gesorgt.

Saugwellenmassage: Fettabbau und Stoffwechselsteigerung
Diese Therapie (Endermologie/Subdermaltherapie) zählt zu den physikalischen Behandlungsmethoden. Erklärte Ziele sind: Fettabbau und Stoffwechselsteigerung.
Spezielle Massagemuster in Verbindung mit einem gezielten Saug- oder Sogeffekt dringen bis in tiefe Schichten des Gewebes vor.
Bei der Behandlung entsteht eine Welle auf der Haut, die bis zur Subkutis regelrecht durchgeknetet und -gewalkt wird.
Erzielt werden sollen eine Auflockerung der tieferen Gewebestrukturen und eine Kräftigung des Bindegewebes.

Durch Entstauungs- und Drainageeffekte wird die Durchblutung der tiefen Hautschichten angeregt und der lymphatische und venöse Kreislauf aktiviert. Flüssigkeitsüberschüsse und Abbauprodukte werden beseitigt und die allgemeinen Zellfunktionen normalisiert. Die Kollagen- und Elastinproduktion kann wieder steigen und die Haut natürlich glatt und geschmeidig werden.

 
Angriff der Fettstruktur
Ernährung
Natürlich ist eine gesunde und ausgewogene Ernährung zur Kontrolle des Körpergewichtes und der Stoffwechsel-Prozesse von grundlegender Bedeutung.

Abzuraten ist von Gewaltdiäten, die nur zum unerwünschten Jojo-Effekt führen. Es gilt das Normalgewicht mit viel Geduld und Ausdauer zu erreichen und zu halten. Frauen müssen wissen, dass die Fettreserven an Oberschenkel und Po als letzte abgebaut werden.
  • Viel Mineralwasser,
  • fünf bis acht kleinere über den Tag verteilte Mahlzeiten,
  • die Einhaltung der 5-am-Tag-Regel (5-Mal am Tag ein Händchen voll Obst oder Gemüse) Vollwertkost mit Ballaststoffen, Vitaminen, Mineralien etc.
sind Empfehlungen, mit denen man auf einen guten und gesunden Kurs kommen kann.

Wichtig ist die innere positive Einstellung zum Thema. Wer alles nur als Verzicht und Quälerei erlebt, wird diesen Lebensstil nicht lange durchhalten können.

Elektrotherapie
Seit langem bekannt sind elektrische Muskel-Stimulatoren, EMS-Geräte. Von ihrem Einsatz verspricht man sich neben Gesichtsstraffung und genereller Gewichtsabnahme Reduktion auch eine Cellulite-Reduktion. Viele Experten halten das umstrittene Verfahren für unwirksam.

Fettabsaugen
Fettabsaugen kennt man eher als bequeme Schönheitsoperation zum optischen Verbessern der Körperform. Das chirurgische Entfernen des Fettgewebes an den Problemzonen erfolgt über eine Metallkanüle, die an eine Vakuumabsaugpumpe angeschlossen ist. Durch Unterdruck wird Fettgewebe abgesaugt.

Wichtig zu wissen:
  • Es geht auch ohne Operation (Lebensführung, Sport und Ernährung).
  • Es gibt immer ein Operationsrisiko.
  • Der Effekt hält ca. 12 Monate.
  • Hauptsächlich wird die Reservefettschicht aber kaum die subkutane Fettschicht entfernt.
  • Wegen der Bindegewebsstruktur kann die Cellulite weiter bestehen.

Hormone
Da Hormone ein wesentlicher Faktor der Cellulite-Entstehung sind, hat man logischerweise auch hier nach Lösungen gesucht. Durch Dehydroepiandrosteron (Vorstufe der Sexualhormone) erhofft man sich eine günstige Beeinflussung der weiblichen
in Richtung männliche Fettstruktur.
Ob man weibliche Fettpolster damit wirklich abbauen kann, ist nach unserem Informationsstand bis heute nicht bewiesen.

Mesotherapie
Die Methode vereint Neuraltherapie, Akupunktur und Arzneimitteltherapie. Durch sterile Injektionen werden gering dosierte Medikamente in die Unterhaut gespritzt. Sie sollen ohne operativen Eingriff den Fettstoffwechsel verbessern, entstauend, entschlackend, regenerierend, aktivierend und Venen stärkend wirken.

Reizstrombehandlung
Dem Prinzip der Cellulipolyse liegt eine einfache Idee zugrunde. Der im Verfahren verwendete Gleichstrom wirkt auf die Zellwände ein. Durch eine Steigerung der Durchlässigkeit kann Flüssigkeit aus den Zellen in die Zwischenräume verschoben und von dort ausgeschieden werden. Im Endeffekt will man eine Verkleinerung der Fettzellen erreichen.

Sport/ Bewegung/ Gymnastik
Straffung und Gewichtsabnahme sind die die Schlüsselwörter dieser grundlegenden Lebensplan-Maßnahme. 3-mal in der Woche sollte man seinem Körper die erforderliche Bewegung gönnen. Öfter mal kurz, als ein paar Mal lang und intensiv! lautet die Faustregel.

Neben Muskelaufbau und Gymnastik sind Ausdauersportarten angesagt, um den Fettstoffwechsel zu regulieren. Geeignet sind besonders – wenn aus ärztlicher Sicht nichts dagegen spricht - langsames Joggen, Walken, Radfahren und Schwimmen. Neben den körperlichen Effekten bewirkt eine derart bewusst veränderte Lebensphilosophie sicher auch mehr Lebensqualität, ohne unnötige medizinische Risiken eingehen zu müssen.

 

Redewendungen

auf der faulen Haut liegen, aus der Haut fahren, Dir juckt wohl das Fell!?, dünnhäutig sein ein dicke/s Fell/ Haut haben/
bekommen, eine ehrliche Haut, eine gute Haut sein, eine treue Haut sein, etwas hautnah miterleben, ein jemandes Haut schlüpfen, jemandem das Fell versohlen, jemandem die Haut über die Ohren ziehen, jemandem die Haut/das Fell/das Leder gerben, mit Haut und Haaren, mit heiler Haut davonkommen, möchte nicht in deiner Haut stecken, nass bis auf die Haut, nicht aus seiner Haut können, nicht in der Haut von jemandem stecken wollen, nur noch Haut und Knochen sein, seine eigene Haut retten, seine Haut so teuer wie möglich verkaufen, seine Haut zu Markte tragen, sich in seiner Haut (nicht) wohl fühlen, sich seiner Haut zu wehren wissen, unter die Haut gehen,
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