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Dienstag, 7. September 2010

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Meine Hülle und ich – Teil III

Liebe unter der Haut

Eine kurze Umfrage unter den drei Menschen, die Ihnen am nächsten sitzen, wird ergeben: „Das geht mir unter die Haut“ ist eine der ersten Redewendungen, die beim Stichwort „Haut“ die Runde machen. Aber was genau geht uns eigentlich unter die Haut? Und wie fühlt sich das an? Viele haben darüber gesungen …

Bei Ina Deter ist es die Liebe selbst, die wie im Songtitel versprochen „Unter die Haut“ geht, und zwar nicht die einfache, unschuldige Liebe mit den rosa Wolken – die verursacht höchstens oberflächliche Gänsehaut. Tiefer aber gräbt sich die Hass-Liebe, die Beziehungs-Achterbahnfahrt, denn sie ist es, die uns im Gegensatz zum Händchenhalten-Einerlei im Gedächtnis bleibt: „Du hast meine Träume gelebt, die nicht mehr auszuhalten waren, hast mich tausendmal verflucht und wieder geliebt mit Haut und Haaren ... Das ist Liebe, die mich umhaut, Liebe, die bei mir reinhaut, die geht mir unter die Haut.“

Aber es geht noch komplizierter, in „Love Profusion“ von Madonna. Da ist es jene Liebe, die Fragen unbeantwortet lässt und sich weigert, sich auf eine konkrete Zukunft festzulegen, die auf eine unangenehm penetrante Weise unter der Haut feststeckt. „Love Profusion“ kann im positiven Sinne Liebe im Überfluss meinen oder im negativen Sinne eine Verschwendung von Liebe, in beiden Fällen wäre es dieses Zuviel an Liebe, das sich unter der Haut entladen muss, weil es nirgendwo sonst hin fließen kann: „Es gibt zu viele Möglichkeiten, aber keinen Trost“, singt Madonna, „Ich habe meine Illusionen verloren, obwohl das, was ich wirklich will, eine Erklärung ist! Du gehst mir unter die Haut. Es gibt kein Verstehen zwischen uns, nur Vereinsamung, es gibt so viel Zerstörungswut, obwohl ich uns eigentlich feiern will! Du gehst mir unter die Haut.”

Aus einem ganz anderen Grunde kompliziert ist die Liebe, die in „I've Got You Under My Skin” von U2 unter die Haut geht: Sie ist kompliziert, weil sie verboten ist, weil sie eine Affäre ist. Außerhalb der Haut, in der realen Welt, existiert die Freundin. Die heimliche Geliebte dagegen darf nur in unsichtbaren Gefilden genossen werden, unter der Haut. Und das macht die Haut zu dem, was Haben und Wollen trennt, Zufriedenheit und Sehnsucht: „Benutze deinen Verstand, verschließe deine Augen nicht vor der Realität! Wenn ich das jedoch versuche, muss ich aufhören, bevor ich überhaupt damit angefangen habe, weil du mir unter die Haut gehst.“

Wie auch immer die Liebe unter die Haut gelangt ist, sie mag sich dort aufregend anfühlen, aber eigentlich gehört sie dort nicht hin. Eigentlich ist sie ein Fremdkörper wie ein Holzsplitter, der sich von einem Regalbrett gelöst und in eine Fingerkuppe gegraben hat. Egal, wie innig die Liebe ist, die Liebenden existieren nicht nur als Gäste unter der Haut des anderen, sondern bleiben eigenständige Menschen, oder sie sollten es zumindest tun, sonst gibt es eines Tages das böse Erwachen wie in dem Song „Skin“ von Alexz Johnson: “Ist das die Lehre, die ich daraus ziehen soll? Er geht mir unter die Haut, gib mir irgendetwas, womit ich ihn loswerden kann! Ich glaube nicht, dass ich mich irgendwann wieder gut fühlen werde.“

“Du gehst mir unter die Haut!” ist vielleicht eines der intimsten Komplimente, die man jemandem machen kann, aber auch eines der gefährlichsten. 
 

Redewendungen

auf der faulen Haut liegen, aus der Haut fahren, Dir juckt wohl das Fell!?, dünnhäutig sein ein dicke/s Fell/ Haut haben/
bekommen, eine ehrliche Haut, eine gute Haut sein, eine treue Haut sein, etwas hautnah miterleben, ein jemandes Haut schlüpfen, jemandem das Fell versohlen, jemandem die Haut über die Ohren ziehen, jemandem die Haut/das Fell/das Leder gerben, mit Haut und Haaren, mit heiler Haut davonkommen, möchte nicht in deiner Haut stecken, nass bis auf die Haut, nicht aus seiner Haut können, nicht in der Haut von jemandem stecken wollen, nur noch Haut und Knochen sein, seine eigene Haut retten, seine Haut so teuer wie möglich verkaufen, seine Haut zu Markte tragen, sich in seiner Haut (nicht) wohl fühlen, sich seiner Haut zu wehren wissen, unter die Haut gehen,
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