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Schuhmachermeisterin Marion Otto |
Kraft und Geschick:
Hände Werkzeug Nummer 1 Inmitten von zahlreichen Werkzeugen und Maschinen agiert Schuhmachermeisterin Marion Otto in ihrer kleinen „Schuh-, Leder- und Nähwerkstatt“ in einer Nebengasse der Peterstraße in Eutin. Da ihre Werkstatt gleichzeitig Laden für die Kundschaft ist, bekommt man als Besucher schnell einen Einblick von der Aufgabenfülle ihres Berufes.
In wenigen Minuten werden zwischen Kunden und Meisterin Schuhe,
Rezepte, Taschen, Lederjacken bis hin zum Zaumzeug über die gläserne
Ladentheke geschoben.
Mit kräftigen, geschickten Händen
bedient Frau Otto Maschinen, Zangen, Ahlen und andere dem Laien
unerklärliche Instrumente, die er aus dem Lexikon als Pfriem, Leisten,
Brenneisen, Rissöffner, Brandsohlenhobel, Putzholz, Leistenhaken etc.
zwar vom Begriff her kennt, aber keineswegs zuordnen kann. Schon zum
Thema Ahle gibt es lächelnd eine kleine Erklärung. „Das sind Nadeln mit
Griff und Widerhaken. Für uns sind das aber Nähorte.“
Als sie erfährt, dass andere von Ihren Erfahrungen profitieren sollen,
ist sie zu einem Interview bezüglich ihrer Hände gerne bereit. „Wenn
ich dabei weiterarbeiten kann?! - Die Hände sind in der Tat mein
Werkzeug Nr. 1.“
So ganz nebenbei greift sie nach einer Handtasche und beginnt, den defekten Lederriemen zu reparieren
Vorsicht - Schutz - Pflege BELLE-PEAU: „Wie man
sieht, sind Ihre Hände den ganzen Tag über im Einsatz. Da gibt es doch
sicher auf Dauer auch Haut-Probleme wegen der Beanspruchung?!“
FRAU OTTO: „Das stimmt. Ich arbeite im Wesentlichen mit der Kraft meiner Hände – weniger mit den Armen.
BELLE-PEAU: „Besonders als Frau werden Sie da sicherlich auf die entsprechende Pflege achten!?“
FRAU OTTO: „Ja, ich habe immer eine Tube mit Handcreme unter der
Arbeitsbank. Denken Sie nur mal an das Leder. Das saugt einfach.
Ungelogen: Ich fette im Laufe eines Arbeitstages bestimmt 50-mal nach.“
BELLE-PEAU: „Haben Sie sich einfach eine beliebige Creme ausgesucht?“
FRAU OTTO: „Nein. Ich bin anfangs zur Apothekerin gegangen und habe mich fachkundig beraten lassen.“
BELLE-PEAU: „Und worauf achten Sie nun besonders!“
FRAU OTTO: „Die Creme muss vor allem schnell einziehen und darf wenig Wasser enthalten. Meine enthält auch immer Glycerin.“
BELLE-PEAU: „Wie halten Sie es mit dem Waschen? Können Sie da so ganz normal wie Jedermann zur Sache schreiten?“
FRAU OTTO: „Nein. Auch da muss ich aufpassen. Ich kaufe immer ein
Cremepflegebad, das ich dann in einen Seifenspender fülle. Das ist die
praktische Seite. Damit das Waschen nicht zum Problem wird, achte ich
auf ein ölhaltiges und ph-neutrales Produkt.
BELLE-PEAU:
„Gibt es in Ihrem Beruf bei all den Stoffen, mit denen Sie in Berührung
kommen, nicht die Gefahr, sich eine Allergie einzufangen?
FRAU OTTO: „Allergien sind für meinen Berufsstand schon ein gewisses
Risiko. Wir arbeiten z.B. mit Klebstoffen, Lösungsmitteln, damit die
Verwendungszeit verlängert wird,
Weichmachern, Gerbstoffen, Farbstoffen, Spiritus und Aceton.
Oft besteht die Gefahr eher über die Atemwege. Zum Glück gibt es
Fortschritte. Das kritische Tulol ist mittlerweile ersetzt worden. Aber
über die Langzeitwirkung der Ersatzstoffe wissen wir eigentlich noch
nichts. Kleber rubbel, ja radiere ich einfach schnell ab.“
BELLE-PEAU: „Wie halten Sie das Risiko gering?“
FRAU OTTO: „Ich arbeite halt mit Vorsicht. In erster Linie gilt: im
Zweifel Hautkontakt meiden! Beim Färben heißt das Handschuhe anziehen.
BELLE-PEAU: „Dann ist Ihnen also zum Glück noch nichts passiert!“
FRAU OTTO: „Insgesamt passiert mir erstaunlich wenig, aber so ganz ohne
Pannen geht es nicht. Leider sind die dann heftig. Bei der
Gesellenprüfung habe ich mir einen Hobel in die Hand gejagt! Und einmal
habe ich mir sogar einen Schuh an die Hand genäht. Weil unsere Nadeln
Widerhaken haben, kann man sie nicht so rausziehen. Also musste der
Schuh im Krankenhaus quasi amputiert werden!“
BELLE-PEAU:
„Wie wir von Ihnen gerade lernen, sind die richtige Pflege und der
Schutz der Haut für das Schuhmacherhandwerk schon ein echtes Problem.
Ist da Körperpflege heute nicht auch zu einem Ausbildungsthema für
angehende Gesellen geworden?
FRAU OTTO: „In meiner
Ausbildung nicht. Weder Berufsschule noch unsere Handwerkskammer haben
das thematisiert. Persönlich achte ich aber schon auf meine
Mitarbeiterin und gebe meine Erfahrungen weiter.“
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