Maja Roedenbeck


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Dienstag, 7. September 2010

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Schuhmachermeisterin Marion Otto

Kraft und Geschick:
Hände Werkzeug Nummer 1

Inmitten von zahlreichen Werkzeugen und Maschinen agiert Schuhmachermeisterin Marion Otto in ihrer kleinen „Schuh-, Leder- und Nähwerkstatt“ in einer Nebengasse der Peterstraße in Eutin. Da ihre Werkstatt gleichzeitig Laden für die Kundschaft ist, bekommt man als Besucher schnell einen Einblick von der Aufgabenfülle ihres Berufes.
In wenigen Minuten werden zwischen Kunden und Meisterin Schuhe, Rezepte, Taschen, Lederjacken bis hin zum Zaumzeug über die gläserne Ladentheke geschoben.

Mit kräftigen, geschickten Händen bedient Frau Otto Maschinen, Zangen, Ahlen und andere dem Laien unerklärliche Instrumente, die er aus dem Lexikon als Pfriem, Leisten, Brenneisen, Rissöffner, Brandsohlenhobel, Putzholz, Leistenhaken etc. zwar vom Begriff her kennt, aber keineswegs zuordnen kann. Schon zum Thema Ahle gibt es lächelnd eine kleine Erklärung. „Das sind Nadeln mit Griff und Widerhaken. Für uns sind das aber Nähorte.“

Als sie erfährt, dass andere von Ihren Erfahrungen profitieren sollen, ist sie zu einem Interview bezüglich ihrer Hände gerne bereit. „Wenn ich dabei weiterarbeiten kann?! - Die Hände sind in der Tat mein Werkzeug Nr. 1.“

So ganz nebenbei greift sie nach einer Handtasche und beginnt, den defekten Lederriemen zu reparieren

Vorsicht - Schutz - Pflege

BELLE-PEAU: „Wie man sieht, sind Ihre Hände den ganzen Tag über im Einsatz. Da gibt es doch sicher auf Dauer auch Haut-Probleme wegen der Beanspruchung?!“

FRAU OTTO: „Das stimmt. Ich arbeite im Wesentlichen mit der Kraft meiner Hände – weniger mit den Armen.

BELLE-PEAU: „Besonders als Frau werden Sie da sicherlich auf die entsprechende Pflege achten!?“

FRAU OTTO: „Ja, ich habe immer eine Tube mit Handcreme unter der Arbeitsbank. Denken Sie nur mal an das Leder. Das saugt einfach. Ungelogen: Ich fette im Laufe eines Arbeitstages bestimmt 50-mal nach.“

BELLE-PEAU: „Haben Sie sich einfach eine beliebige Creme ausgesucht?“

FRAU OTTO: „Nein. Ich bin anfangs zur Apothekerin gegangen und habe mich fachkundig beraten lassen.“

BELLE-PEAU: „Und worauf achten Sie nun besonders!“

FRAU OTTO: „Die Creme muss vor allem schnell einziehen und darf wenig Wasser enthalten. Meine enthält auch immer Glycerin.“

BELLE-PEAU: „Wie halten Sie es mit dem Waschen? Können Sie da so ganz normal wie Jedermann zur Sache schreiten?“

FRAU OTTO: „Nein. Auch da muss ich aufpassen. Ich kaufe immer ein Cremepflegebad, das ich dann in einen Seifenspender fülle. Das ist die praktische Seite. Damit das Waschen nicht zum Problem wird, achte ich auf ein ölhaltiges und ph-neutrales Produkt.

BELLE-PEAU: „Gibt es in Ihrem Beruf bei all den Stoffen, mit denen Sie in Berührung kommen, nicht die Gefahr, sich eine Allergie einzufangen?

FRAU OTTO: „Allergien sind für meinen Berufsstand schon ein gewisses Risiko. Wir arbeiten z.B. mit Klebstoffen, Lösungsmitteln, damit die Verwendungszeit verlängert wird,
Weichmachern, Gerbstoffen, Farbstoffen, Spiritus und Aceton.
Oft besteht die Gefahr eher über die Atemwege. Zum Glück gibt es Fortschritte. Das kritische Tulol ist mittlerweile ersetzt worden. Aber über die Langzeitwirkung der Ersatzstoffe wissen wir eigentlich noch nichts. Kleber rubbel, ja radiere ich einfach schnell ab.“

BELLE-PEAU: „Wie halten Sie das Risiko gering?“

FRAU OTTO: „Ich arbeite halt mit Vorsicht. In erster Linie gilt: im Zweifel Hautkontakt meiden! Beim Färben heißt das Handschuhe anziehen.

BELLE-PEAU: „Dann ist Ihnen also zum Glück noch nichts passiert!“

FRAU OTTO: „Insgesamt passiert mir erstaunlich wenig, aber so ganz ohne Pannen geht es nicht. Leider sind die dann heftig. Bei der Gesellenprüfung habe ich mir einen Hobel in die Hand gejagt! Und einmal habe ich mir sogar einen Schuh an die Hand genäht. Weil unsere Nadeln Widerhaken haben, kann man sie nicht so rausziehen. Also musste der Schuh im Krankenhaus quasi amputiert werden!“

BELLE-PEAU: „Wie wir von Ihnen gerade lernen, sind die richtige Pflege und der Schutz der Haut für das Schuhmacherhandwerk schon ein echtes Problem. Ist da Körperpflege heute nicht auch zu einem Ausbildungsthema für angehende Gesellen geworden?

FRAU OTTO: „In meiner Ausbildung nicht. Weder Berufsschule noch unsere Handwerkskammer haben das thematisiert. Persönlich achte ich aber schon auf meine Mitarbeiterin und gebe meine Erfahrungen weiter.“
 

Redewendungen

auf der faulen Haut liegen, aus der Haut fahren, Dir juckt wohl das Fell!?, dünnhäutig sein ein dicke/s Fell/ Haut haben/
bekommen, eine ehrliche Haut, eine gute Haut sein, eine treue Haut sein, etwas hautnah miterleben, ein jemandes Haut schlüpfen, jemandem das Fell versohlen, jemandem die Haut über die Ohren ziehen, jemandem die Haut/das Fell/das Leder gerben, mit Haut und Haaren, mit heiler Haut davonkommen, möchte nicht in deiner Haut stecken, nass bis auf die Haut, nicht aus seiner Haut können, nicht in der Haut von jemandem stecken wollen, nur noch Haut und Knochen sein, seine eigene Haut retten, seine Haut so teuer wie möglich verkaufen, seine Haut zu Markte tragen, sich in seiner Haut (nicht) wohl fühlen, sich seiner Haut zu wehren wissen, unter die Haut gehen,
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